Am 20.1.2020 fand die erste von zwei Informationsveranstaltungen zum Thema Listeria monocytogenes statt. Der Fleischerverband Nord hatte aus aktuellem Anlass dazu eingeladen. Über 100 Mitglieder des Fleischerverbandes Niedersachsen-Bremen kamen nach Verden, um die Vorträge zu rechtlichen und fachlichen Aspekten zu hören, sich zu informieren und mitzudiskutieren.

Landesinnungsmeister Herbert Dohrmann betonte in seiner Begrüßungsrede, dass sich Politik und Behörden in Sachen Verbraucherschutz zunehmend von NGOs und Tierschutz- bzw. Verbraucherorganisationen unter Druck setzen lassen. Dies führe in manchen Kreisen zu unverhältnismäßig häufigen und strengen Überprüfungen von Betrieben in der Lebensmittelbranche. Als besonders überzogenes Beispiel führte Dohrmann den Kreis Leer/Wittmund an: Dort waren bei 1058 Kontrollen 3356 Verstöße in 504 Betrieben festgestellt worden. Leidtragende waren auch zwei Mitgliedsbetriebe des Fleischerverbandes. Dies dürfe und müsse man sich nicht gefallen lassen, so Dohrmann. Die Mitarbeiter auf Seiten der Politik und der Behörden seien sich oft gar nicht darüber im Klaren, dass es um die Existenzen der Betriebsinhaber und ihrer Familien ginge. Dabei sei es egal, ob es um die Furcht vor der nahenden ASP oder um Listerienfunde gehe – er fordere von der Politik ein professionelles und dabei kooperatives Vorgehen. Auch die oft einseitige Berichterstattung der Presse kritisierte der Landesinnungsmeister. Es sei in den letzten Wochen der Eindruck erweckt worden, dass Listerien vor allem in Fleisch vorkämen, was erwiesener Maßen nicht stimme. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten sowohl Verbrauchern, als auch Betrieben und Behörden zugänglich gemacht werden, damit alle in der Lage seien, Situationen richtig einzuschätzen zu können.

Prof. Dr. Eberhardt Haunhorst, Prädsident des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit regte dazu an, verstärkt mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Es gebe unterschiedliche Prüfverfahren und moderne Analysetechniken. Wichtig für die Betriebe sei es, ein fundiertes Eigenkontrollkonzept zu erstellen. Dazu gehöre es, alle Mitarbeiter regelmäßig in Sachen Hygiene zu schulen und alle Produkte und deren Herstellungsmethoden im Blick zu behalten. Viele kleinere Betriebe würden nicht alle Bestimmungen kennen, man solle sich aber regelmäßig auf dem Laufenden halten.

Rechtsanwalt Prof. Gerd Weyland erläuterte praxisnah, wie man Prüfberichte richtig liest und was man dabei beachten muss. Bei positiven Proben, müsse man sich an den Grenzwerten orientieren. Es sei wichtig, mit erfahrenen und qualifizierten Laboren zusammen zu arbeiten. Gemeinsam könne man eine Lebensmittelsicherheitsbewertung der einzelnen Produkte erstellen. Dabei geht es auch um die Einstufung in die jeweiligen Produktgruppen 1.2. oder 1.3., die unterschiedlichen Kriterien unterliegen (in Bezug auf VO (EG) Nr. 2073/2005)

Sollte es nötig sein, Produkte zurückzurufen, solle man immer mit den Behörden zusammenarbeiten und keine Texte auf eigene Faust an die Presse oder die Öffentlichkeit bringen. Manche Ware ließe sich mit entsprechenden Hinweisen sicherer verkaufen, etwa mit dem Zusatz „zum Durcherhitzen“. Damit mache man klar, dass das jeweilige Produkt nicht zum Rohverzehr geeignet sei. Durcherhitzen meint dabei ein Erhitzen auf 70°C oder mehr, mindestens zwei Minuten lang. Der Hinweis sollte im Verkaufsgespräch gegeben werden und am besten zusätzlich als Aufsteller oder Schild auf der Theke.

Nach einer kurzen Kaffeepause referierte Antje Fiedler von Heller und Mackens über Maßnahmen der Betriebshygiene und der Überwachung. Anhand vieler Beispiele aus der Praxis erläuterte die Oecotrophologin, wie ein Betrieb Hygienemängeln einfach vorbeugen kann. Besondere Bedeutung maß sie den Eigenkontrollen und dem Monitoring nach Vorgaben der VO (EG) Nr. 2073/2005 zu. Probenpläne sollte man am besten mit den zuständigen Behörden aktiv absprechen. Wer dann die festgelegten Zeiträume einhalte, sie erforderlichenfalls anpasse und im Blick behalte, könne schon viel für die Lebensmittelsicherheit tun. Im Unternehmen müssen Verantwortlichkeiten festgelegt und mögliche Schwachstellen aufgedeckt werden. Regelmäßige Schulungen, Dokumentation und alltägliche Hygieneroutinen würden neben Einstufungen der Produkte und regelmäßigen Gefahrenanalysen ebenfalls dazu beitragen, im Ernstfall gut vorbereitet zu sein.

Die Seminarunterlagen können beim Fleischerverband Nord abgerufen werden.

Die zweite Veranstaltung findet am 5. Februar in Hamburg statt.