Bundesregierung äußert sich zur Ferkelkastration

Die Bundesregierung hat eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion veröffentlicht. Einige der Aussagen sind auch für die Betriebe des Fleischerhandwerks im Hinblick auf die weitere Entwicklung von Bedeutung.

Grundsätzlich unterstützt die Bundesregierung die Wege der Ebermast, die Immunokastration und die chirurgische Kastration unter Vollnarkose (Isoflurannarkose bzw. Injektionsnarkose). Für die Durchführung einer Narkose mittels Isofluran durch den Landwirt ist allerdings die Nutzung eines zertifizierten Narkosegeräts erforderlich. Zur Förderung der Anschaffung eines solchen Gerätes (siehe auch DFV-Rundschreiben vom 23.03.2020) sind bereits knapp 1.400 Anträge bei der zuständigen Stelle eingegangen. Zertifizierte Geräte sind jedoch bisher noch nicht verfügbar.

Die Bundesregierung nimmt an, dass ca. 50 Prozent der Landwirte nach Fristablauf die Isoflurannarkose anwenden werden. Die Anteile der beiden alternativen Methoden wird auf 30 Prozent bei der Ebermast und 20 Prozent für die Immunokastration geschätzt. Im Hinblick auf die nach wie vor bestehenden Zweifel bezüglich der Fleischqualität von immunokastrierten Schweinen, dürfte der tatsächliche Anteil dieser Methode jedoch weit unter den erwarteten Werten bleiben.

Auch zum sogenannten Vierten Weg, der chirurgischen Kastration durch Anwendung des Lokalanästhetikums Procain, äußert sich die Bundesregierung. Demnach wird auf Basis aktuell vorliegender wissenschaftlicher Studien durch die ausschließliche Anwendung von Procain keine Schmerzausschaltung erreicht, so dass diese Methode der Kastration für die Bundesregierung weder durch den Landwirt noch durch den Tierarzt eine geeignete Alternative zur betäubungslosen Kastration darstellt.

Auch hinsichtlich des australischen Präparats Tri-Solfen äußert sich die Bundesregierung kritisch. Das Präparat habe zwar einen schmerzlindernden Effekt, eine nach dem Tierschutzgesetz ausdrücklich geforderte Schmerzausschaltung bewirke es aber nicht. Zudem seien bislang keine Anträge auf Zulassung des Präparats gestellt worden. Unabhängig davon laufen die Forschungen am Vierten Weg weiter, ob mit Ergebnissen noch vor Fristablauf gerechnet werden kann, ist abzuwarten.

Die von der Bundesregierung favorisierte Lösung bleibt demnach die Kastration unter Isoflurannarkose. Wann jedoch die entsprechend zertifizierten Geräte zur Verfügung stehen werden, bleibt genauso offen wie die Frage der Durchführbarkeit von praktischen Sachkundeschulungen nach der Ferkelbetäubungssachkundeverordnung im Hinblick auf die bestehende Pandemiesituation.