Fleischer Nord: zweiter gemeinsamer Verbandstag

Am 2. Mai 2022 fand im Rahmen der INTERNORGA der zweite gemeinsame Verbandstag der Nordverbände in Hamburg statt. Teilgenommen haben die Vertreter und Mitglieder der Fleischerverbände Niedersachsen/Bremen und Schleswig-Holstein sowie der Fleischerinnung Hamburg.

Mitgliederversammlung auf der INTERNORGA

Wie bereits 2019 wurden die Mitgliederversammlungen der Verbände Niedersachsen/Bremen und Schleswig-Holstein sowie der Fleischerinnung Hamburg in den Tagungsräumen der Messe Hamburg abgehalten. Über 60 Vertreter aus den Nordverbänden waren dabei. „Obwohl die Corona-Maßnahmen nun auch in Hamburg gefallen sind, macht das Virus dem ein oder anderen Kollegen die Terminplanung im Alltag schwer“, so Dirk Hübenbecker, Obermeister der Fleischerinnung Hamburg. Einige Teilnehmer mussten den Besuch der Veranstaltung kurzfristig absagen, weil z.B. Personal erkrankt war. „Dennoch ist es ein wichtiges Signal, dass wir wieder gemeinsam tagen. Der Dachverband Fleischer Nord hat sich für unsere Kolleginnen und Kollegen in den drei Landesverbänden inzwischen nicht nur etabliert, sondern bereits mehr als bewährt“, ist Herbert Dohrmann, Landesinnungsmeister des Verbandes Niedersachsen/Bremen, überzeugt.

Im moderierten Gespräch diskutierten die Landesinnungsmeister Herbert Dohrmann, Roland Lausen und Dirk Hübenbecker gemeinsam mit den Anwesenden aktuelle Themen, die das norddeutsche Fleischerhandwerk beschäftigen. Zunächst ging es um die Frage, wie die Betriebe im Norden die Coronasituation erlebt haben und noch erleben sowie um die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine. Der Tenor in den Landesverbänden war ähnlich: In Lockdownzeiten verzeichneten viele Fachgeschäfte ein starkes Thekengeschäft, während der Partyservicebereich einbrach. Aktuell merke man, dass die Verbraucher aufgrund gestiegener Kosten und fortschreitender Inflation weniger Geld in der Tasche hätten, so die Einschätzung der Landesinnungsmeister. Dies konnten die Teilnehmer im Publikum bestätigen.

Ein weiteres Thema war die aktuelle Politik in Bezug auf Ernährung, Landwirtschaft und Tierwohl. Hier ging es vor allem um die Herkunftskennzeichnung für Nutztiere und das Ziel der Politik, die Tierbestände und damit auch den Fleischkonsum in Deutschland zu reduzieren. Es zeichne sich bereits ab, dass es schwierig sei, auf Bundesebene den Kontakt zu den politischen Vertretern auszubauen, so Dohrmann. Man müsse aber dranbleiben und weiter auf Austausch dringen. Auf Länderebene gelänge dies bereits gut.

Digitalisierung und Rückverfolgbarkeit sind noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch hat sich der Nordverband mit dem Thema auseinandergesetzt. Im März und April hatte es in Niedersachsen zwei Veranstaltungen unter dem Motto „von Kollegen, für Kollegen“ gegeben, auf denen Betriebsinhaber bereits bewährte Formen von Rückverfolgung praxisnah vorstellten. Thomas Schlimgen aus Friesland, der beide Veranstaltungen besucht hatte, lobte das Engagement der Kollegen. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass eine geschlossene Rückverfolgung für kleinere und kleine Unternehmen mit Ladengeschäft nicht ohne weiteres in allen Bereichen möglich sei. Der Aufwand, den man für das regelmäßige Einpflegen von Daten habe, sei für kleine Betriebe kaum zu leisten. Der Verband wird das Thema weiter im Blick behalten.

Jens Mackens von Heller&Mackens, Kooperationspartner des Fleischerverbands Nord, berichtete über Anfragen von Seiten der Mitglieder, die er in Sachen Hygiene, Aufsichtsbehörden und Lebensmittelkontrollen in den vergangenen Monaten bearbeitet hat. Dabei stellte er heraus, dass die Behörden mit vielen Themen, z.B. mit Listerienfunden, in den vier Bundesländern und vor allem auf Kreisebene sehr unterschiedlich umgehen. Diese Erfahrung konnte auch Anna-Lena Klaus, Geschäftsführerin des Verbandes Fleischer Nord vor allem für Niedersachsen bestätigen. Gemeinsam mit dem Landeslehrlingswart von Niedersachsen/Bremen, Olaf Müller, arbeitet sie zurzeit daran, das Verfahren zum Sachkundenachweis Schlachten in der Ausbildung zu reformieren. Der Sachkundenachweis soll in Kooperation mit einem Drittanbieter im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung mit Schulung und der theoretischen sowie praktischen Prüfung in das zweite Ausbildungsjahr im Zuge der Wahlqualifikation Schlachten eingebunden werden. Man sei in Gesprächen mit den Behörden und Dienstleistern und hoffe, im Herbst einen ersten Termin anbieten zu können.

Regularien, Vortrag und eine Einladung

Für die Regularien begaben sich die Mitglieder der drei Landesverbände anschließend in getrennte Versammlungsräume. Jahresabschlüsse und Haushalte der Verbände wurden jeweils einstimmig verabschiedet. „Alle drei Verbände stehen finanziell auf gesunden Beinen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Joachim Drescher. In Niedersachsen/Bremen standen darüber hinaus Wahlen auf der Tagesordnung. Herbert Dohrmann bekleidet für drei weitere Jahre das Amt des Landesinnungsmeisters. Eric Handke wurde als stv. Landesinnungsmeister im Amt bestätigt, ebenso Olaf Müller als Landeslehrlingswart. Jens Neubauer (Schatzmeister), Thomas Schlimgen, Olaf Fritsch und Dieter Behrmann wurden als weitere Vorstandsmitglieder wiedergewählt, neu dazugekommen ist Carsten Dettmers.

Zum Abschluss des gemeinsamen Verbandstages stellte Dr. Tim Koch, Bereichsleiter Fleischwirtschaft vom Informationsdienst AMI, den Teilnehmern die aktuellen Zahlen sowie die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche vor. Es ging um die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Nutztiere, die Entwicklung in den vergangenen Jahren bis heute und die Verzehrtrends der Verbraucher. Die Präsentation von Dr. Koch kann über die Geschäftsstelle abgerufen werden.

Mit einem Ausblick auf den ersten Tag des Fleischerhandwerks im Norden endete der Verbandstag: Am 26. Juni sind alle Kolleginnen und Kollegen im Norden nach Egestorf eingeladen. Im Fokus stehen Austausch und Geselligkeit, gepaart mit Informationen rund um das Fleischerhandwerk im Norden, aktuelles aus der Verbandsarbeit, Vorstellung der Kooperationspartner und Aktionen sowie die Verleihung von Urkunden für die Sieger der dem Termin vorgeschalteten Wurstprüfung. Gesponsort wird der Tag vom F.A.G. Fleischereinkauf Bremen, der vor Ort Maschinen vorstellen und Einkaufsgutschein verlosen wird.

Höchstes Engagement fürs Ehrenamt in Hamburg und auf Bundesebene

Eine besondere Ehrung erfuhr der langjährige (inzwischen ehemalige) Obermeister der Fleischerinnung Hamburg, Michael Durst. Nach über 25 Jahren Mitarbeit im Vorstand der Innung, u. a. als Lehrlingswart und stellvertretener Obermeister, und der zur Innung gehörenden Stiftung wurde Michael Durst zum Ehrenobermeister ernannt.