Verbandstag des DFV in Fulda

Der 130. Verbandstag des Deutschen Fleischer-Verbandes fand am 11.Oktober als Delegiertentagung in Fulda statt. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wurde die Versammlung an nur einem Tag ohne Gäste und mit einem umfangreichen Hygienekonzept in einer großen Halle des Esperanto Kongresszentrums abgehalten. Rund 90 Delegierte waren angereist, um sich über die politische Arbeit in Corona-Zeiten abzustimmen und die Regularien zu verabschieden.

Einfluss von Corona

Wie sehr die Arbeit des DFV im Laufe des Jahres von der besonderen Situation der Corona-Pandemie geprägt war, berichtete Präsident Herbert Dohrmann in seiner Eröffnungsrede. Von Beginn an waren er und Geschäftsführer Martin Fuchs in Kontakt mit politischen Vertretern und anderen Verbänden. Ein erster Erfolg war die Erklärung der Systemrelevanz des Fleischerhandwerks. So habe man verhindern können, dass Geschäfte geschlossen werden mussten und ein klares Zeichen für die Wichtigkeit des Handwerks setzen können, sagte Dohrmann. Das Engagement des DFV zeige sich inzwischen deutlich: Man finde mehr Gehör bei politischen Entscheidungsträgern auf allen Ebenen – auch aufgrund der Vorkommnisse in der Fleischindustrie. Wichtig sei nun, weiterhin auf politischer Ebene im Gespräch zu bleiben und für die klare Abgrenzung des Handwerks von der Fleischindustrie einzutreten. Ziel sei es, darauf hinzuarbeiten, dass die Handwerksbetriebe nicht mehr gegenüber der Industrie benachteiligt werden. Dabei sei es aber auch wichtig, für die Ideale des Fleischerhandwerks einzustehen und die Versprechen von Transparenz, Regionalität und Tierwohl einzulösen. Vor dem Hintergrund der Vorfälle in einem Schlachthof in Gärtringen plädierte Dohrmann dafür, Verantwortung für die eigenen Produkte und ihre Herkunft zu übernehmen. Jeder Fleischer müsse wissen, wie die Tiere, die man verarbeite, gehalten, transportiert und geschlachtet würden. Schließlich gehe es um die Glaubwürdigkeit der Branche und das Vertrauen der Verbraucher.

Lebensmittelrecht & Qualitätssicherung

Auf die Rede des Präsidenten folgten die Berichte aus den einzelnen Ressorts. Konrad Ammon kündigte an, dass die Ferkelkastration mit Isofluran-Narkose durch die Landwirte ab 2021 eingeführt werde. Auch er griff die Themen Schlachtung/Tierwohl auf und betonte deren Wichtigkeit. Auch für das Handwerk sei  das Schulen von Mitarbeitern das A und O für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe.

Ammon geht davon aus, dass die Afrikanische Schweinepest den Strukturwandel in der Landwirtschaft noch beschleunigen wird. Es bestehe die Gefahr, dass in fünf Jahren bis zu 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe aufgegeben haben werden, mit erheblichen Folgen auch für das selbständige Fleischerhandwerk: „Es wäre fatal, überwiegend auf Waren von Tönnies & Co. angewiesen zu sein. Unser Markenzeichen heißt Regionalität. Das müssen wir herausstellen.“

Werbung & Öffentlichkeitsarbeit

Michael Durst erklärte, der Verband plane mehr digitale Kommunikation. Die Imagewerbung solle in den nächsten Jahren analog und digital erfolgen. Hierfür solle die Nationalmannschaft noch besser eingebunden werden. Mit der Pflege der Social-Media-Kanäle habe man Jasmin Lippmann beauftragt. Die Kollegin arbeite schon länger beim DFV und sei derzeit noch in Elternzeit. Gemeinsam werde man eine Strategie erarbeiten und die digitale Kommunikation vorantreiben.

Außerdem wies er darauf hin, dass die Beiträge zur BGN auf Sicht steigen würden: Wenn die Anzahl der Betriebe auch in Zukunft weiter sinkt, werde es für die verbleibenden naturgemäß teurer.

Berufsbildung

Zur Nationalmannschaft äußerte sich auch Nora Seitz. Aufgrund der Corona-Situation sei die Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten ausgebremst worden. Für die Zukunft seien jedoch wieder mehr Veranstaltungen in Planung. Die Reform der Ausbildungsberufe im Fleischerhandwerk sei hingegen ein zäher und langwieriger Prozess. Derzeit diskutiere man mit den Ernährungsgewerken über die Neuordnung der Ausbildung von FachverkäuferInnen. Wenn dies abgeschlossen sei, wolle man dies auch für die FleischerInnen in Angriff nehmen.

Finanzen & Organisation

Eckhard Neun informierte die Teilnehmer über aktuelle Entwicklungen aus dem Finanzressort. Die Einsparzungen, die auf den vergangenen Verbandstagen beschlossen wurden, seien vorgenommen worden. Der Verband stehe gut da. Der DFV bleibt weiterhin in Brüssel vertreten. Hier gebe es eine Kostenteilung mit den anderen europäischen Fleischerverbänden. Frau Dießner werde das Büro leiten. Insgesamt seien so fast 100.000 Euro eingespart worden.

Aufgrund der Corona-Pandemie habe der Verband in digitales Equipment investiert und gleichzeitig die Reisekosten senken können.

Juniorenverband & Nationalmannschaft

Nach der Mittagspause ließ Präsident Dohrmann in einer Podiumsdiskussion Vertreter des Juniorenverbands des Fleischerhandwerks sowie der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks zu Wort kommen. Er machte deutlich, dass ihm die Meinung und die Anregungen der jungen Leute wichtig sei, betonte aber auch, dass er sich aktive Mitarbeit im Verband wünsche.

Johannes Bechtel, Vorsitzender des Juniorenverbandes vertrat die Meinung, dass der DFV die Jüngeren besser auf Social Media abholen müsse. Außerdem solle man die jungen Fleischer und Verkäuferinnen früher an die Verbandsarbeit heranführen. Sein Kollege Christoph Geier stellte die Strukturen in Bezug auf die Innungen in Frage. Die Organisation über die Kreishandwerkerschaften sei nicht zielführend, die Innungen würden immer weiter schrumpfen. Dafür bräuchte es ein zukunftsfähiges Konzept von Seiten des Verbandes.

Tim Stumpf, Mitglied der Nationalmannschaft erklärte, das Fleischerhandwerk habe einen hohen Suchtfaktor: Wer einmal davon begeistert sei, den lasse es nicht mehr los. Das müsse man den jungen Leuten vermitteln, am besten durch Praktika. Er schlug vor, die Innungsarbeit regelmäßig in den Berufsschulen vorzustellen. Sein Teamkollege Steffen Michelsen plädierte ebenfalls dafür, die Öffentlichkeitsarbeit zu stärken. Präsident Dohrmann versprach, man werde den Austausch mit Juniorenverband und Nationalmannschaft intensivieren.